Warnung vor Corona-Blindflug

Mehr testen, schneller impfen – und dann zügig den Lockdown aufheben? So einfach läuft das nicht, warnen Politiker und Experten.

Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, treten in der Debatte um weitere Öffnungen des Lockdowns auf die Bremse. "Ich empfehle uns allen größtmögliche Umsicht und Vorsicht", mahnte der Minister gestern vor der Hauptstadtpresse. Ähnliche Worte hatte zuvor schon Kanzlerin Angela Merkel (CDU) benutzt. Wieler sieht angesichts von wieder steigenden Infektionszahlen und des Vordringens gefährlicherer Virus-Mutationen "einige deutliche Signale einer Trendumkehr" – zum Negativen.
"Lassen sie uns deshalb weiter unsere Kontakte auf das Allernötigste beschränken!", appellierte er. Wenn man dennoch die geltenden Beschränkungen schrittweise lockern wolle, "dann nur unter Schutzmaßnahmen". Jeder müsse sich in Acht nehmen. Das gelte trotz der Fortschritte beim Impfen und Testen auch langfristig. "Das Virus wird nicht verschwinden", warnte Wieler. "Wir werden es nicht ausrotten können." Deshalb müsse man lernen, mit Corona zu leben.
Tests kein Selbstläufer: Der RKI-Chef Wieler warnte ausdrücklich vor zu hohen Erwartungen an neue Selbsttests, von denen einige gerade zugelassen wurden. Sie könnten nötige Schutzmaßnahmen nicht ersetzen, lieferten keine volle Gewissheit, nur eine Momentaufnahme. Die Tests, die bald massenhaft, auch beim Discounter, verfügbar sein sollen, sind laut Wieler "keine Wunderwaffe". Experten verweisen auf Unsicherheiten, die nur durch einen PCR-Labortest ausgeräumt werden können. Wieler ließ daher auch starke Vorbehalte gegenüber dem Konzept des "Freitestens" erkennen, das in der Regierungskoalition Anhänger hat. Danach könnte der Einzelne mit der Vorlage negativer Testergebnisse bestimmte Freiheitsrechte wieder in Anspruch nehmen. Als Baustein einer Gesamtstrategie hält Wieler Selbsttests aber für hilfreich.


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