"Deutschland fehlt eine Strategie"

Wolfgang Steiger, Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats,
spricht sich in der Rentendebatte für
eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebens-

erwartung aus.

Herr Steiger, Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert angesichts einer steigenden Lebenserwartung eine höhere Lebensarbeitszeit, um die gesetzliche Rentenversicherung zu stabilisieren. Führt an der Rente mit 70 kein Weg vorbei?
Wolfgang Steiger: Auf diese Zahl will ich mich nicht einlassen. Denn nach der gegenwärtigen Entwicklung der Lebenserwartung lägen wir da noch nicht, eher noch bei 67 plus. Vor diesem Hintergrund war natürlich die Rente mit 63 völlig kontraproduktiv. Wir müssen auch mal weiter zurückschauen: Während bei Einführung der staatlichen "Invaliditäts- und Altersversicherung" unter Bismarck im Jahr 1889 die durchschnittliche Rentenlaufzeit sieben Monate betrug, sind wir mittlerweile bei rund 20 Jahren angelangt. Allein seit den 60er Jahren hat sich der Lebensabschnitt nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben verdoppelt. Bei aller Freude über die zusätzliche Lebenszeit, die uns geschenkt wird: Ohne weitere Reformen werden unsere sozialen Sicherungssysteme dem nicht gewachsen sein. Falls wir nicht wollen, dass entweder die Beitrags- und Steuersätze der Erwerbstätigen dramatisch ansteigen oder die Leistungen der Sozialversicherungen, insbesondere das Rentenniveau der Älteren, deutlicher zurückgehen, bleibt allein eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit als Lösung.


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