InterviewVizepräsidentin des EU-Parlaments: "Zündschnur zum harten Brexit haben Briten selber gelegt"

Die EU werde den Binnenmarkt bei den Verhandlungen nicht verscherbeln, sagt Nicola Beer, FDP-Vize und Vizepräsidentin des EU-Parlaments.

Gelingt beim Handelspakt noch ein Kompromiss in letzter Minute, oder droht doch der harte Brexit?
Nicola Beer: Es ist mehr als kurz vor knapp. Die Briten sollten den seidenen Faden, an dem ein Deal hängt, nicht bis aufs Äußerste strapazieren. Denn selbst der größte politische Wille des EU-Parlaments ist kein Zauberstab. Daher tut PM Boris Johnson jetzt gut daran, nicht weiter wertvolle Zeit zu verspielen. Der größte Brocken bleibt. Derzeit hakt es, weil die Briten uns den kleinen Finger geben, aber im Gegenzug unsere ganze Hand wollen. So bleibt es ein Kräftemessen und ich hoffe sehr, dass es auf den letzten Metern zum Handschlag kommt für eine starke und faire Partnerschaft. Es geht uns um faire Gegenseitigkeit. Die Briten möchten Zugang zu unserem Binnenmarkt. Dafür muss es für unsere europäischen Fischer auch möglich sein, in britischen Gewässern zu fischen. Der EU-Binnenmarkt ist das Rückgrat der EU, ihn verscherbeln wir um keinen Preis. Britischen Zugang gibt es nur mit fairen Spielregeln und Standards. Wenn die Briten souverän davon abweichen wollen, dann geht das, aber nicht mit vollem Zugang, sondern mit Zöllen.


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