Betroffen und schockiert

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas haben dem Libanon nach der verheerenden Explosion in Beirut schnelle Hilfe zugesagt.

Berlin. Trauer, Entsetzen und Mitgefühl gestern auch in Berlin nach der Katastrophe in Beirut. "Betroffen und schockiert" habe er die Nachricht von der schweren Explosion im Hafen von Beirut erhalten", schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seinem libanesischen Amtskollegen Michel Anoun. Die Bilder der Zerstörung hätten ihn "zutiefst erschüttert" erklärte er und kondolierte. Deutschland werde alles tun, um den Menschen im Libanon zur Seite zu stehen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach ihrem Amtskollegen Hassan Diab ihr Beileid aus und bot deutsche Unterstützung an: "In dieser schweren Zeit können Sie auf die Hilfe und Unterstützung der Bundesregierung zählen", betonte Merkel.
Der Krisenstab des Auswärtigen Amts arbeitete gestern mit Hochdruck daran, Hilfe zu organisieren nach der Katastrophe in der libanesischen Hauptstadt. Die ersten Rettungskräfte machten sich bereits gestern auf den Weg. Das Technische Hilfswerk schickte ein Team nach Beirut, um dort die Deutsche Botschaft zu unterstützen, nach Vermissten zu suchen und bei der Bergung von Verschütteten zu helfen, sowie das weitere Vorgehen mit zu koordinieren. Auch unter den Mitarbeitern der Deutschen Botschaft hat es Verletzte gegeben. Das Gebäude wurde beschädigt.
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte schnelle und unbürokratische Hilfe zu, erkundigte sich bei seinem libanesischen Amtskollegen, was am dringendsten gebraucht werde. "Mit der Bundeswehr und unseren humanitären Helfern schauen wir, wie wir weitere Hilfe für die Aufräumarbeiten und Versorgung der Zivilbevölkerung bereitstellen können", sagte der SPD-Politiker. "Die Bilder der Verwüstung in Beirut treffen uns mitten ins Herz, sie schmerzen", erklärte der Außenminister und zeigte sich schockiert über das Ausmaß der Zerstörung.
Der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, forderte die Bundesregierung auf, bei der Aufklärung der Ursache der Detonation zu helfen. "Es muss aufgeklärt werden, was passiert ist und wer dafür verantwortlich ist" sagte er. Es dürfe nicht der Eindruck der Vertuschung entstehen. Deutschland genieße im Libanon großes Vertrauen.
Die Erste Hilfe aus Deutschland gestaltet sich allerdings offenbar schwierig. Das Lagebild in Beirut sei "chaotisch", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Es gebe noch keinen genauen Überblick, wie viele deutsche Staatsbürger betroffen und möglicherweise verletzt seien oder ob unter den Toten auch Deutsche seien.
Auch die Bundeswehr versuchte herauszufinden, welche Unterstützung sie nach dem Inferno in Beirut leisten kann. So könnte die Truppe etwa mit ihren Medevec-Maschinen Schwerverletzte zur Behandlung nach Deutschland ausfliegen oder eine mobile Klinik vor Ort einrichten und bei der medizinischen Versorgung helfen. Denkbar sei auch die Lieferung von medizinischem Material und anderen Gütern, erklärte ein Sprecher. Zunächst habe auch eine Korvette der Deutschen Marine, die als Teil der UN-Mission Unifil von Zypern aus eingesetzt werde, eine brasilianische Unifil-Fregatte für einen Hilfseinsatz ablösen sollen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Planungen seien später aber geändert worden.


Sie wollen einmalig die Ausgabe mit dem Bericht kaufen?
Hier geht es zu der gewünschten Ausgabe im Online-Kiosk.