Operation "Luftbrücke" läuft

40 Millionen weitere Mundschutzmasken werden diese Woche aus China erwartet – und der Nachschub soll dauerhaft gesichert werden. Ein Telefonat der Kanzlerin mit Chinas Präsident Xi Jinping trägt offenbar Früchte.

Berlin. Der Anruf liegt bereits zwei Wochen zurück. Doch war er erfolgreich. Kanzlerin Angela Merkel hat in einem Gespräch mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping erreicht, dass Deutschland große Lieferungen von medizinischer Schutzkleidung und Atemschutzmasken erhält. Allein in dieser Woche sollen 40 Millionen Masken geliefert werden. Mehr als doppelt so viele wie in den beiden vergangenen Wochen zusammen, wie das Gesundheitsministerium gestern bestätigte.
Mit Hilfe der Lufthansa soll eine "Luftbrücke" zwischen Frankfurt und Shanghai eingerichtet werden. Täglich würden nun Frachtmaschinen weiteres Material von China nach Deutschland fliegen. Auch die Bundeswehr wird sich möglicherweise an der Luftbrücke beteiligen und hat dem Bundesgesundheitsministerium angeboten, in der letzten Aprilwoche Großraumflugzeuge für den Transport von weiterem Schutzmaterial einzusetzen.
Merkel hatte zu Beginn ihrer häuslichen Quarantäne die Initiative ergriffen und den chinesischen Staatschef in einem Telefonat um Hilfe gebeten. Man habe eine "enge Zusammenarbeit" vereinbart und versichert, in der Corona-Krise nicht gegeneinander zu arbeiten, sondern zu kooperieren, hieß es damals. Jetzt teilte das Gesundheitsministerium dem Bundestag mit, dass nach dem Gespräch Merkels mit Xi nun ein direkter Zugang zu chinesischen Produzenten der medizinischen Produkte hergestellt werde. Dies verspreche "ein höheres Maß an Qualität und Liefersicherheit", heißt es. Der TÜV soll die Qualität der Lieferungen überprüfen. Die Schutzausrüstung soll vor allem in den Gesundheitssektor gehen, aber an auch Bundes- und Sicherheitsbehörden.
Eine ausreichende Ausstattung mit Schutzmasken, Kitteln und Handschuhen vor allem für den medizinischen Bereich gilt als eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine mögliche schrittweise Lockerung der bis zum 19. April geltenden Kontaktsperren und Corona-Beschränkungen. Kanzlerin Angela Merkel will mit den Ministerpräsidenten der Länder am kommenden Dienstag darüber beraten, ob die bisherigen Corona-Beschränkungen gelockert oder über den 19. April hinaus verlängert werden sollen.
In Kliniken, Arztpraxen und Pflegeheimen herrscht allerdings ein eklatanter Mangel an Schutzausrüstung. Dem Bund war es zuletzt nur schwer gelungen, das im Kampf gegen die Corona-Epidemie dringend benötigte Material zu beschaffen. Gerade die Lieferketten zu China, dem Weltmarktführer bei der Produktion des Materials, waren zuletzt unterbrochen. Auch der Einstieg in eine zentrale Beschaffung durch den Bund hatte zunächst keine Abhilfe geschaffen.
Laut einem internen Papier des Gesundheitsministeriums gab es zuletzt rund 37 Millionen Atemschutz- und OP-Masken, die von Bund, Ländern und Kassenärztlicher Vereinigung beschafft worden waren. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Gesundheitsminister Spahn sollen dem Coronakrisen-Kabinett ein Konzept vorlegen, wie die nationale Produktion von Schutzkleidung und Masken schnell aufgebaut werden kann. Die Bundesregierung will Firmen, die ihre Produktion darauf einstellen mit Zuschüssen fördern.
Die Bundesregierung hatte bisher eine Maskenpflicht abgelehnt, wie sie etwa in Österreich gilt, sich aber für freiwilliges Tragen des Schutzes ausgesprochen. Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hält die Einführung einer Maskenpflicht für "rechtlich nicht zulässig". Es gebe nicht genug frei verfügbare Masken für alle Bundesbürger. Eine Pflicht einzuführen, der die Bürger gar nicht voll nachkommen könnten, wäre jedoch schwierig, erklärte er im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Die hochwertigen Masken würden "dringend für unser medizinisches Personal und die Pflege" gebraucht und seien trotz weltweiter Suche nur schwer zu beschaffen.
Unterdessen rechnen Politiker und Mediziner nicht damit, dass die Deutschen bereits wieder ihren Sommerurlaub im Ausland verbringen werden können. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet rät von Buchungen wie Fernreisen ab. Ärztepräsident Klaus Reinhardt rechnet auch im Sommer noch mit massiven Einschränkungen und geht nicht davon aus, dass Urlaubsreisen bereits wieder möglich seien. Der Sommerurlaub werde völlig anders sein als früher, prognostiziert auch der Chef des Weltärztebundes Montgomery.

Die letzte China-Reise der Kanzlerin liegt erst sieben Monate zurück. Im September 2019 traf sie Präsident Xi Jinping in Peking. Sie besuchte auch die Millionenstadt Wuhan. −Foto: Kappeler, dpa
Die letzte China-Reise der Kanzlerin liegt erst sieben Monate zurück. Im September 2019 traf sie Präsident Xi Jinping in Peking. Sie besuchte auch die Millionenstadt Wuhan. −Foto: Kappeler, dpa


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