"Was Merkel sagt, ist für mich nicht relevant"

Alice Weidel, Spitzenkandidatin der AfD, verteidigt ihren Parteikollegen Alexander Gauland und fordert mehr Anstand gegenüber der AfD.

Alice Weidel, Spitzenkandidatin der AfD, verteidigt ihren Parteikollegen Alexander Gauland und fordert mehr Anstand gegenüber der AfD.

Inhaltlich habe Gauland recht, sagt Alice Weidel.
Inhaltlich habe Gauland recht, sagt Alice Weidel.

Halten Sie Alexander Gauland, Ihren Co-Spitzenkandidaten, für einen Rassisten?
Alice Weidel: Was ist das für eine Frage?
Angela Merkel hat Gaulands Äußerungen, die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz, die in Deutschland geboren ist, solle in Anatolien "entsorgt" werden, als rassistisch bezeichnet.
Weidel: Was Frau Merkel sagt, ist für mich nicht relevant. Sie scheint die Definition von Rassismus nicht zu kennen.
Als Spitzenkandidatin hätten Sie die Autorität, zu erklären, dass Gaulands Äußerungen inakzeptabel sind. Warum tun Sie es nicht?
Weidel: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Ich erinnere daran, dass Sigmar Gabriel 2012 erklärt hat, man solle die Regierung Merkel rückstandslos entsorgen. Es gibt viele ähnliche Äußerungen. Nirgendwo wird so ein Aufstand gemacht wie bei der AfD. Natürlich ist das alles eine Geschmacksfrage. Ich würde mich nicht so ausdrücken.
Und inhaltlich?
Weidel: In der Sache hat Alexander Gauland recht. Frau Özoguz ist als Integrationsministerin nicht geeignet. Sie will eine von der Scharia geprägte Gesellschaft. Sie toleriert Kinderehen als religiöses Recht und steht damit nicht auf dem Boden unseres Grundgesetzes.
"Bikini statt Burka" fordert die AfD im Wahlkampf, auf einem Plakat mit zwei Frauen in knappem Bade-Outfit. Halten Sie das für daneben?
Weidel: Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich mit dieser Kampagne nicht glücklich bin. Der Sinn sollte sein, ein freundlicheres Image zu transportieren. In meinem Landesverband hängen andere Plakate.
Was ist mit dem Bild, das auf Terroranschläge Bezug nimmt, blutige Lastwagenspuren zeigt und den Hinweis auf "Die Spur der Welt-Kanzlerin durch Europa"?
Weidel: Das war nicht mit mir abgestimmt. Man sollte nicht alles mit der Politik von Angela Merkel verknüpfen. Wenn eingebürgerte Islamisten anderswo Anschläge begehen, kann man ihr das nicht anlasten. Solche intellektuelle Schnitzer darf es nicht mehr geben.
Wie wird sich der Bundestag verändern, sollte die AfD einziehen?
Weidel: Er wird sich gehörig verändern. Wir werden endlich wieder gelebte Demokratie haben und zwar in dem Sinne, dass das Parlament die Bundesregierung kontrolliert. Frau Merkel hat ihre rechtswidrige Flüchtlingspolitik ohne einen einzigen Bundestagsbeschluss vollziehen können. Das lässt tief blicken, was das Demokratieverständnis unserer Mitbewerber angeht.
Sie wollen einen Untersuchungsausschuss zu zentralen Entscheidungen in der Kanzlerschaft von Angela Merkel. Was soll der bringen?
Weidel: Wir müssen uns mit den Rechtsbrüchen der Kanzlerin auseinandersetzen. Angela Merkel müsste nach ihrer Amtszeit vor ein ordentliches Gericht gestellt werden. Sie hat sich verschiedener Rechtsverstöße schuldig gemacht. In der Euro-Rettungspolitik und in der Flüchtlingskrise hat sie gegen geltendes deutsches und europäisches Recht verstoßen. Dafür sollte sie sich vor einem Richter verantworten müssen.
Das Interview führte Rasmus Buchsteiner – F.: Kappeler/dpa


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