Treffen unter zweifelhaften Partnern

Die Schlagwörter zum Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatten es in sich: Syrien, Kampfdrohnen, Ukraine-Krieg – doch der große Paukenschlag blieb zumindest vorerst aus.

Erdogan schien das Rampenlicht bei seinem Besuch in Russland nicht unangenehm. "Jetzt schaut die Welt wieder auf Sotschi", sagte er zu Beginn des Treffens mit Staatschef Wladimir Putin am Freitag. Stunden später hieß es abends in einer gemeinsamen Erklärung, man habe sich auf einen Ausbau der Beziehungen etwa im Bereich Handel, der Industrie und im Tourismus geeinigt. Beide Seiten hätten auch vereinbart, dass die Türkei für russisches Gas künftig in Rubel zahlen werde, sagte Russlands Vize-Regierungschef Alexander Nowak der Agentur Tass zufolge. Die Türkei – enger Partner Russlands und gleichzeitig Nato-Mitglied - scheute auch diesmal nicht die Nähe zu Moskau.

Im Fokus stehen vor allem strategische Interessen

Die Türkei und Russland pflegen eine Partnerschaft, die vor allem von strategischen Interessen geprägt ist. Daria Isachenko von der Stiftung Wissenschaft und Politik nennt sie "ein sehr empfindliches Netz von Verbindungen". Die Türkei ist von Getreide, Energie und Touristen aus Russland abhängig. 2020 stammten fast 34 Prozent der türkischen Gasimporte von dort. Über die Türkei verlaufen russische Gaspipelines. Die Türkei beteiligt sich zudem nicht an den westlichen Sanktionen gegen Russland – was die Bedeutung des Landes etwa für russische Firmen steigert.


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