Stadler setzt auf Gegenangriff

Ex-Audi-Chef Rupert Stadler kritisiert die Staatsanwaltschaft
im Münchner Diesel-Prozess und weist jede Schuld von sich. Er wirft der Ermittlungsbehörde Voreingenommenheit vor und bittet sie um faire und absolut neutrale Behandlung.

Gegen 6 Uhr früh hatte Rupert Stadler daheim noch "einen Espresso reingezogen". Es ist Dienstag, der Tag, an dem er im Münchner Audi-Prozess um den Dieselskandal aussagen soll – oder besser: darf. Eine gute Dreiviertelstunde später sitzt er in seinem roten Audi und erreicht den Gerichtssaal in der JVA Stadelheim um Punkt 7.54 Uhr.
Die meisten der diesmal wieder zahlreicher erschienenen Journalisten nehmen den früheren Audi-Vorstandsvorsitzenden mit seiner Corona-Maske und der Schiebermütze gar nicht richtig wahr. Aber er muss in der Eiseskälte warten wie die anderen auch, da sind die Wachtmeister streng. Nein, Bammel habe er vor seiner Aussage nicht, sagt er unserer Zeitung. Er will endlich aussprechen, weshalb er sich zu Unrecht unter anderem wegen Betrugs auf der Anklagebank sieht. Nach eher allgemeinen Einlassungen geht der 57-Jährige dann mit der Staatsanwaltschaft hart ins Gericht.

Details zu Organisation und Firmenstruktur

Stadler, der frühere Audi-Chef, soll also nach September 2015 weiter Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgastechnik auf den europäischen Markt geworfen haben, als über die USA längst bekannt war, dass Behörden und Kundschaft mit Softwaretricks betrogen worden waren. Das wirft die Ermittlungsbehörde ihm vor. Es geht um den Verdacht des Betrugs an Autokäufern, strafbare Werbung und mittelbare Falschbeurkundung bei Zulassungsbehörden. Mit Stadler stehen der ehemalige Audi-Motorenchef und Porsche-Technikvorstand Wolfgang Hatz sowie zwei leitende Entwickler vor Gericht.


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