Trump heizt Proteste mit Drohung an

Die Proteste gegen den Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz breiten sich in den USA wie ein Lauffeuer aus. Zentrum der Unruhen ist Minneapolis – eine Stadt mit drastischem Wohlstandsgefälle von Weiß zu Schwarz.

Im Morgengrauen rückte die US-Nationalgarde an, die mit 500 Mann vor Banken, Supermärkten und Apotheken Stellung bezog. "Unsere Mission besteht darin, Leben zu schützen, Eigentum zu erhalten und das Recht auf friedliche Demonstrationen zu wahren", teilte die Heimatschutz-Truppe mit, die der demokratische Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, angesichts der eskalierenden Gewalt in Minneapolis und der Schwesterstadt St. Paul in Marsch gesetzt hatte.
Zu diesem Zeitpunkt in der Nacht zum Freitag hatten aufgebrachte Demonstranten bereits die Polizeiwache des dritten Bezirks gestürmt und in Brand gesetzt. Ihr gehörten die vier Beamten an, die mit dem gewaltsamen Tod von George Floyd in Verbindung gebracht werden. Der 46-jährige Schwarze starb am Montagabend, nachdem ihm ein Polizist minutenlang das Knie in den Nacken gedrückt hatte. Das Flehen des wehrlos in Handschellen gelegten Mannes – mehrmals sagte er, "ich bekomme keine Luft" – ignorierte der Polizist.
Das zehn Minuten lange Video, das den Einsatz dokumentiert, löste einen Aufschrei der Empörung auf. Selbst eine sonst eher reservierte Polizei-Organisation verurteilte das Vorgehen gegen Floyd aufs Schärfste. Er war mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein erwischt worden.
Der Beamte und seine drei untätig dabei stehenden Kollegen verloren binnen 48 Stunden ihre Jobs. Gestern wurde der Hauptverdächtige festgenommen. Alle notwendigen Beweise lägen nun vor, der Polizist werde wegen Mordes und Totschlags angeklagt, sagte Bezirksstaatsanwalt Mike Freeman gestern bei einer Pressekonferenz. So schnell habe seine Behörde in einem vergleichbaren Fall noch nie Anklage erhoben.


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