Eine Welt der Gegensätze

Phil Herold (38) ist ein international gefragter Künstler und Buchautor, zu seinen Freunden zählen Stars wie die Rolling Stones. Sein Leben hat jedoch auch eine andere Seite. Er ist ein Pflegefall und rund um die Uhr auf die Unterstützung von Assistenten angewiesen.

Phil Herold (38) ist ein international gefragter Künstler und Buchautor, zu seinen Freunden zählen Stars wie die Rolling Stones.
Sein Leben hat jedoch auch eine andere Seite. Er
ist ein Pflegefall und rund um die Uhr auf die Unterstützung von Assistenten angewiesen.

Ein Industriegebiet im Münchner Süden. Mit schnellen Schritten hetzen Menschen durch die Straßen, die Häuser ragen in den grauen Himmel, Regentropfen fallen auf den Boden. Eine Straße weiter durchbricht ein Gebäudekomplex die Eintönigkeit. Hier stehen große, eckige Häuser in bunten Farben. Auf eine Wand wurde eine große Friedenstaube gemalt, auf einem der Dächer ist eine Nachbildung der Freiheitsstatue zu sehen. Hier ist die kreative Heimat von Phil Herold aus Tann im Landkreis Rottal-Inn.
Typisch Künstler, möchte man beim Anblick der bunten Häuserfassaden denken. Doch typisch ist hier nichts. Phil Herold ist nicht nur ein erfolgreicher Künstler mit prominenten Fans wie den Rolling Stones, dem Rapper Snoop Dogg und Hollywood-Star Leonardo DiCaprio, er ist auch ein Pflegefall. Seit seiner frühen Kindheit leidet er an spinaler Muskelatrophie, einer Krankheit, die zur Rückbildung der motorischen Nervenzellen und dadurch zu Muskellähmungen führt. In seinem Alltag wird er rund um die Uhr von Assistenten unterstützt.
Assistenten ohne spezielle AusbildungEs ist Montag, 20 Uhr. Im Gewerbegebiet kehrt langsam Ruhe ein, für Phil Herold fängt der Tag erst richtig an. Die Tür zum Atelier öffnet Sebastian, Phils Assistent. Nach einer kurzen Begrüßung verschwindet er lautlos in die Küche. Derzeit arbeiten für Phil vier Assistenten in Vollzeit und zwei weitere auf 450-Euro-Basis, die Kosten dafür übernehmen die zuständigen Kostenträger. Sie übernehmen für ihn jeden Handgriff, verstehen ihn beinahe wortlos. Eine spezielle Ausbildung benötigen sie nicht, viel wichtiger sind Hilfsbereitschaft und Flexibilität. "Ich habe eigentlich Forstwirtschaft studiert, nach dem Studium habe ich einen Übergangsjob gesucht", erzählt Sebastian. Mittlerweile arbeitet er seit fünf Jahren für Phil. "Ich bin meistens 48 Stunden am Stück bei ihm. Das ist praktisch, meine Arbeitswoche ist deshalb schon am Dienstag voll und ich kann auch noch an anderen Projekten arbeiten." Wird ein neuer Assistent eingestellt, wird er von einem langjährigen Assistenten eingearbeitet.
Es klingelt wieder, Sebastian eilt zur Tür. Phil empfängt seine Gäste mit einem lässigen "Servus". Heute wird er Anna Gozdzik, eine Tierärztin, und Stephan Pappi, einen Zimmerer, für sein "The Skills"-Projekt fotografieren. Für das Projekt porträtiert er bekannte Persönlichkeiten und Menschen, die ihm nahe stehen, mit einem Gegenstand, der am meisten über ihren Charakter aussagt. Als sie mit Gerhard Herold, Phils Vater, das moderne Atelier betreten, weiten sich ihre Augen. An den Wänden hängen Phils Kunstwerke – am Computer gestaltete Graphiken, gestochen scharf und bunt –, die Beleuchtung wechselt die Farben, durch die Lautsprecher hallt "Sympathy for the Devil" von den Rolling Stones. Sie mustern aber nicht nur das Atelier, sondern auch Phil.


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