"Es gibt kein Schema F für Kindererziehung"

Seit 15 Jahren bietet der Kinderschutzbund in Zusammenarbeit mit der Erziehungs - beratung der Caritas Passau die Elternkurse "Starke Eltern – Starke Kinder " an. Hunderte Elternpaare haben sich seither dort Hilfe und Rat geholt. Nicht wegzudenken aus dem Beraterteam sind Psychologin Elisabeth Meindl (55) und Sozialpädagogin Olivia Genal (55). Mit der PNP sprachen sie über "perfekte" Eltern, alte Muster und ein indianisches Sprichwort.

Seit 15 Jahren bietet der Kinderschutzbund in Zusammenarbeit mit der Erziehungs
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beratung der Caritas Passau die Elternkurse "Starke Eltern – Starke Kinder " an. Hunderte Elternpaare haben sich seither dort Hilfe und Rat geholt. Nicht wegzudenken aus dem Beraterteam sind Psychologin Elisabeth Meindl (55) und Sozialpädagogin Olivia Genal (55). Mit der PNP sprachen sie über "perfekte" Eltern, alte Muster und ein indianisches Sprichwort.

Wenn Sie es nicht wissen, weiß es wohl keiner in Passau: Wie sind die perfekten Eltern?
Elisabeth Meindl: Das wissen bestimmt ganz viele und in der Regel die Eltern selbst. Die Eltern sind immer die Experten für ihre eigenen Kinder. Es ist die Frage, ob es "das Perfekte" in dem Sinne überhaupt gibt und woran man es erkennen würde.
Olivia Genal: "Perfekt-Sein" ist ja schon wieder so ein Leistungsanspruch. Wir versuchen eher, dass Eltern nicht mit dem Gedanken an Perfektion rumlaufen, sondern dass sie Sicherheit und Vertrauen in ihre Art der Erziehung gewinnen.
Meindl: Genau. Die Grundlage und eigentlich immer das Wichtigste ist, dass die Eltern ihre Kinder lieben. Darauf baut alles auf.
Gibt es überhaupt eine Erziehung, die perfekt läuft?
Genal: Jedes Elternpaar hat eigene Ziele und Werte für die Erziehung ihrer Kinder – vieles gelingt, manches misslingt.
Meindl: "Perfekt" klingt immer so, als müssten Kinder dressiert sein. Man gibt ein Kommando, die Kinder führen es aus und das soll dann perfekt sein? Für mich nicht.
Wenn die Eltern am besten Bescheid wissen, woher dann der Bedarf an Elternberatung?
Meindl: Ich glaube, dass die Eltern oft sehr hohe Erwartungen haben. Es kommt in unserem Kurs immer wieder vor, dass jemand am zweiten Kurstag sagt: "Bin ich froh, dass es noch andere gibt, bei denen auch nicht alles gleich klappt." Weil sie nach außen hin den Eindruck haben, dass bei anderen alles hinhaut. Wenn man sich trifft und erzählt, dann spricht man natürlich lieber über das, was gut funktioniert. Keiner will wie Rabeneltern dastehen. Daher diese Vorstellung, dass es noch viel besser gehen müsste. Die Eltern nehmen nicht immer wahr, dass andere auch Schwierigkeiten haben.
Genal: Der Elternkurs bietet einen geschützten Rahmen, in dem die Eltern sich trauen können, über Probleme und Konflikte in der Familie zu sprechen. Dann können wir gemeinsam was Neues entwickeln. Alleine zu wissen, dass es auch in anderen Familien Probleme gibt, kann sehr entlastend sein.


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