Hammer will wieder Feste feiern

Rathaus-Chefs blicken auf 2021 zurück und geben einen Ausblick auf 2022 – Heute: Manfred Hammer aus Fürstenzell

Der Markt Fürstenzell ist beliebt bei jungen Familien – deshalb hat der Markt 2021 auch Grund erworben. Als für die Zukunft größte Herausforderung jedoch bezeichnet der Erste Bürgermeister Manfred Hammer die kleine Ortsumfahrung.

Fürstenzell. Mit seinem Herzenswunsch für 2022, wieder Feste feiern zu können wie vor Ausbruch von Covid-19, spricht Bürgermeister Manfred Hammer dem Großteil der Bevölkerung sicherlich aus der Seele. "Ich hoffe, dass Corona bald so beherrscht wird, dass Veranstaltungen für die Bürger und mit ihnen stattfinden können", betont der SPD-Kommunalpolitiker, der persönliche Begegnungen sehr vermisst. An Arbeit im Rathaus mangelt es hingegen nicht, wie Hammers Ausblick auf viele laufende oder vor der Umsetzung stehende Projekte erkennen lässt.
Einer seiner freudigsten Momente 2021 war Mitte Dezember das erste Konzert seit Wiederöffnung des im Privatbesitz befindlichen Klosters nach 13-jähriger Abschottung gegenüber der Öffentlichkeit. Umso dankbarer ist er Miteigentümerin Gudrun Seegerer für die Bereitschaft, das Herzstück des einstigen Klosterdorfes wieder zugänglich zu machen. "Das war das schönste Weihnachten", schwärmt der Bürgermeister, der sich schon auf geplante Events im Festsaal, in der barocken Bibliothek und im Klosterpark freut. "Das ist für uns als kulturelles Zentrum der Region enorm wichtig", fügt er hinzu.
Begehrt ist die Marktgemeinde auch als Wohnort. Die Gesuche nach Bauplätzen häufen sich. Dieser großen Nachfrage will die Kommune auf Basis verschiedener Grunderwerbe in der jüngsten Vergangenheit gerecht werden – allerdings nicht nur in Fürstenzell als Kern, sondern auch in den Ortsteilen. "Das war die größte Investition im vergangenen Jahr", berichtet Manfred Hammer und beziffert das Volumen auf knapp zwei Millionen Euro. Unter anderem in Fortsetzung des Baugebietes "Fürstenzeller Feld II" in Richtung Rehschaln, aber ebenso in Bad Höhenstadt und Engertsham sind Erschließungen für Wohnen und Gewerbe vorgesehen. Damit im Zusammenhang steht ein weiteres Großprojekt, das bis zum September 2022 abgeschlossen sein soll: der Neubau des Kinderhauses St. Maria in Fürstenzell mit Platz für Krippen- und Kindergartengruppen.
Jetzt geht es darum, die Lebens- und Aufenthaltsqualität der Bürger zu verbessern – vorrangig in Fürstenzell selbst mit der Städtebausanierung, ebenso aber im Rahmen der Dorferneuerung in Engertsham. Ein Teilbereich im Hauptort ist im Herbst 2021 mit der Umsetzung von Bäumen im Bereich des künftigen Parkdecks und Zentralen Omnibusbahnhofs bereits begonnen worden. Das Parkdeck soll im laufenden Jahr fertiggestellt werden, die Vergaben der Aufträge dazu erfolgen schon im Februar. Einschließlich der Gestaltung des Umfelds und der Schaffung einer Abbiegespur auf der Äußeren Bahnhofstraße werde alles zusammen rund fünf Millionen Euro kosten, prognostiziert Hammer, der mit einer staatlichen Förderung von etwa 80 Prozent rechnet.
Ohne viel Zeitverlust soll es mit der Umgestaltung im Bereich der Passauer Straße weitergehen – wunschgemäß frühestens ab 2024 mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 13 Millionen Euro. Nicht länger warten sollen auch die Bürger von Engertsham auf eine Verschönerung ihres Heimatortes. Bereits auf den 27. Januar ist eine Informationsveranstaltung in der Aula der Grund- und Mittelschule Fürstenzell anberaumt. "Es gibt eine enge Einbeziehung der Bevölkerung, wir werden zügig dahinter sein", verkündet Hammer.
Als größte Herausforderung der nahen Zukunft – "das ist uns bewusst" – skizziert er die Realisierung der kleinen Ortsumfahrung, wofür zuletzt Abstimmungsgespräche – unter anderem mit dem Staatlichen Bauamt zur Gestaltung der Verkehrsanbindung im Bereich der Aral-Tankstelle – geführt worden sind. Zugleich bezeichnet er diesen Straßenbau in kommunaler Baulast mit Zuschuss durch den Freistaat als Teilabschnitt der großen Umgehung bis Pilzweg mit Anschluss der Schulstraße als eine "Herzensangelegenheit".
Allerdings müsse man Realist sein, was die Dauer der Umsetzung betrifft. Hammer: "Auch wenn es wünschenswert ist, dass man mit der Städtebausanierung erst nach Fertigstellung des Teilabschnittes der Ortsumfahrung beginnt, darf der Beginn der Ortsmitte-Gestaltung nicht von diesem Straßenbauprojekt abhängig gemacht werden, da wir heute noch nicht wissen, ob wir sie genehmigt bekommen und, wenn ja, wann." Feststehe, dass der Verkehr in Fürstenzell "für jeden spürbar unerträglicher wird und die Lebens- wie Aufenthaltsqualität darunter leidet."
Ein weiteres Straßenbau-Thema liegt Hammer schwer im Magen: der Ausbau der Staatsstraße 2118 im Bereich Großtanner Berg. Er empfindet es als große Verärgerung, dass ihm seitens des Bauamtes eine Sanierung ab 2021 in Aussicht gestellt worden sei, worüber er die Bevölkerung informiert habe. Seit Beginn seiner Amtszeit als Bürgermeister 2014 kämpfe er um diese Maßnahme – ohne Erfolg, weil nun noch naturschutzrechtliche Belange geprüft werden müssen. Als weitere Enttäuschung sieht Hammer den plötzlichen Stopp des Förderbescheides mangels entsprechender staatlicher Finanzmittel für das Dorfgemeinschaftshaus in Bad Höhenstadt. Sein klarer Appell in Richtung München: "Wir erwarten von der Staatsregierung mehr Mittel für die Stärkung des ländlichen Raums."
Tief in die eigene Tasche greifen muss Fürstenzell nach den mit dem Klimawandel einhergehenden wiederholten Starkregen-Ereignissen im Sommer vergangenen Jahres, um weitere Schäden zu verhindern. "Das war schlimm, aber zum Glück hat es keine Verletzten gegeben", erinnert sich Hammer an die Schreckensbilder in Wimberg und Irsham. "Es sind konkrete Überlegungen da", erklärt er und signalisiert die Bereitschaft der Kommune, für wirksame Schutzmaßnahmen Geld in die Hand zu nehmen.
Einen Lichtblick erkennt der Bürgermeister für den Lückenschluss im Fürstenzeller Ortskern auf den Grundstücken des ehemaligen Gasthofs Mayer und der Metzgerei Kirschner. Das Genehmigungsverfahren für den dort geplanten Wohn- und Geschäftskomplex mit Tiefgarage läuft am Landratsamt. Man habe sich mit den Investoren "gut verständigt", so dass dem Baubeginn im Frühjahr 2022 nichts im Weg stehen dürfte.
Zuversichtlich ist er beim weiteren Ausbau des schnellen Internets. Das Programm unter dem Begriff "Höfe-Bonus" soll 2022 für den nordwestlichen Bereich der Marktgemeinde starten.


Sie wollen einmalig die Ausgabe mit dem Bericht kaufen?
Hier geht es zu der gewünschten Ausgabe im Online-Kiosk.