Viel Rücksicht, manchmal kein Respekt

"Helden in der Krise": Michaela Marek und Andrea Hauner erzählen vom Alltag im Supermarkt

Sie halten den Laden wortwörtlich am Laufen, sind teils einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt und geben den Menschen ein Stück Normalität in einer Zeit, in welcher der Alltag von Corona beherrscht wird. Der Rottaler Anzeiger stellt in einer Serie exemplarisch "Helden in der Krise" vor, die tagtäglich ihrer Pflicht nachgehen – vor und hinter den Kulissen.

Falkenberg. Österreich setzt beim Einkaufen auf die Maskenpflicht, um die Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus weiter einzudämmen. Dabei geht es nicht um medizinische Masken, sondern um einen Mund-Nasen-Schutz, der andere vor Ansteckung schützen soll. Auch selbst gemachte Masken sind erlaubt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagt: "Uns beschäftigt der Gedanke ehrlich gesagt auch." Konkrete Pläne gebe es dafür aber noch nicht.
Michaela Marek würde die Maßnahme gut finden. Die Angestellte verrichtet in der Edeka-Filiale Obermeier in Falkenberg verschiedene Arbeiten, wie zum Beispiel Bestellungen vornehmen oder Waren einräumen. An der Kasse des Marktes trägt sie dann einen Mund- und Nasen-Schutz.
Eine einfache Gesichtsmaske kann zwar nur sehr begrenzt die eigene Ansteckung mit Covid-19 verhindern, da aber der Erreger vor allem über Tröpfchen beim Husten und beim Sprechen übertragen wird, kann ein Tuch vor dem Mund weitgehend die Ansteckung anderer verhindern und so Infektionsketten unterbrechen.
"Natürlich ist das gewöhnungsbedürftig und unangenehm, den ganzen Tag durch den Stoff zu reden", sagt Marek, "aber es ist besser als nichts. Es würde, sollte es Pflicht werden, für alle, auch für uns, eine zusätzliche Sicherheit bedeuten." Zwar gibt es eine Plexiglas-Scheibe als Spuckabwehr zwischen Kassiererin und Kunden. "Doch es sind eben auch solche und solche Leute unterwegs", berichtet Andrea Hauner, die, wie ihre Arbeitskollegin, ebenfalls immer wieder die Produkte übers Band zieht. "Die meisten haben Verständnis, zeigen viel Rücksicht, bringen sogar Pralinen und Blumen mit oder runden den Betrag auf und geben ein kleines Trinkgeld. So etwas freut einen sehr."
Doch zu allem Guten kommt die Kehrseite der Medaille. "Es gibt einige, die halten den markierten Abstand im Kundengang nicht ein oder husten sogar mit Absicht. Das macht mich richtig fassungslos. Da muss ich schon mal was sagen und mahnen, dass es so einfach nicht geht. Das ist respektlos gegenüber den Menschen, die arbeiten, noch dazu in dieser schwierigen Situation", ärgert sich die Angestellte.
Dass diese belastend ist, steht außer Frage. Und doch sind beide froh, hier arbeiten zu können. "Unser Chef hat die Mitarbeiter gerade für ihren großen Einsatz gelobt", freut sich Michaela Marek über die Anerkennung. "Es hätte uns schlimmer treffen können. Wir haben ein starkes Team", sagt Hauner. Und so hat sie die Mund-Nasen-Masken aus Stoff für die Arbeitskolleginnen alle selbst genäht. Das Zwischenmenschliche passt. Während viele um die Existenz bangen, ist der Supermarkt-Job krisensicher.
"Es ist sogar mehr los. Manche hamstern, grundsätzlich werden mehr Lebensmittel gekauft. Die Leute sind daheim, haben Zeit zum Kochen", so Michaela Marek. "Reinigungszeug geht gut, das Haus wird auf den Kopf gestellt." Frühjahrsputz im großen Stil, einige Wochen früher als üblich.
Wie viel Zeit noch vergehen wird bis die Normalität zurückkehrt, auch in der Edeka-Filiale Obermeier in Falkenberg, darüber können Michaela Marek und Andrea Hauner nur spekulieren. "Es dürfte sich schon noch etwas in die Länge ziehen. Wir hoffen natürlich, dass wir unsere Gesichtsmasken bald nicht mehr brauchen und weglegen können." Bis dahin wollen beide an der Kasse weiter geduldig und gelassen bleiben und sich, sollten Unbelehrbare dabei sein, nicht aus der Fassung bringen lassen.

Trotz Gesichtsmaske geduldig und gelassen an der Kasse: Michaela Marek (rechts) und Andrea Hauner (links) von der Edeka-Filiale Obermeier in Falkenberg bringt so schnell nichts aus der Fassung. −F.: mh
Trotz Gesichtsmaske geduldig und gelassen an der Kasse: Michaela Marek (rechts) und Andrea Hauner (links) von der Edeka-Filiale Obermeier in Falkenberg bringt so schnell nichts aus der Fassung. −F.: mh


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